top of page

Woran merke ich, dass ich im Burnout bin?

  • Autorenbild: André Riehle
    André Riehle
  • 13. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Die meisten Menschen beginnen diese Frage beim Stress. Zu viel Arbeit. Zu wenig Pausen. Zu hohe Erwartungen. Und ja, Stress spielt eine Rolle. Aber er erklärt nicht, warum manche Menschen unter enormer Belastung stabil bleiben, während andere trotz überschaubarer Anforderungen innerlich ausbrennen. Er erklärt auch nicht, warum Urlaub, Reduktion oder Auszeiten oft kurzfristig helfen und dann doch alles wieder zurückkehrt. Genau hier beginnt der Punkt, an dem das klassische Burnout-Narrativ brüchig wird.

Burnout fühlt sich selten an wie ein dramatischer Zusammenbruch. Er beginnt leise. Du funktionierst. Du erledigst, was zu tun ist. Von außen wirkt alles stabil. Von innen jedoch entsteht eine merkwürdige Leere. Dinge, die früher getragen haben, verlieren ihre Resonanz. Freude wird erinnert, aber nicht mehr wirklich gefühlt. Entscheidungen werden rational getroffen, ohne inneres Ja. Erholung fühlt sich nicht mehr regenerierend an, sondern wie ein kurzes Abstellen eines Motors, der danach sofort wieder unter Last läuft.

Der entscheidende Unterschied zu normaler Erschöpfung liegt nicht in der Intensität der Belastung, sondern in der Qualität des inneren Erlebens. Menschen im Burnout sind nicht einfach müde. Sie sind innerlich entfremdet. Sie leben ein Leben, das nach außen sinnvoll, korrekt oder notwendig ist, das sich aber innerlich nicht mehr stimmig anfühlt. Der Körper beginnt zu reagieren, lange bevor der Verstand es einordnet. Schlaf wird oberflächlich. Die Reizschwelle sinkt. Konzentration kostet überproportional viel Energie. Gleichzeitig entsteht oft eine paradoxe Mischung aus innerer Unruhe und tiefer Erschöpfung.

Was dabei häufig übersehen wird, ist der eigentliche Kernprozess. Burnout entsteht nicht primär durch zu viel Stress, sondern durch eine langfristige innere Anpassungsleistung. Durch das dauerhafte Zurückstellen von Persönlichkeitsanteilen, die eigentlich gelebt werden wollen. Bedürfnisse nach Autonomie, nach Sinn, nach kreativer Entfaltung oder nach Rückzug werden ignoriert, rationalisiert oder als unwichtig abgetan. Stattdessen übernehmen Rollen, Erwartungen und Pflichtgefühle die Führung. Nicht einmal aus Zwang, sondern oft aus Verantwortung, Loyalität oder dem Wunsch, richtig zu handeln.

Dieser innere Spagat kostet Energie. Nicht kurzfristig, sondern kontinuierlich. Das Nervensystem bleibt im Anpassungsmodus. Es reagiert nicht mehr nur auf äußeren Druck, sondern auf eine permanente innere Inkongruenz. Genau deshalb reicht reine Stressreduktion oft nicht aus. Weniger Arbeit, mehr Ruhe oder Achtsamkeit lindern Symptome, berühren aber nicht die Ursache. Sobald der Alltag wieder Fahrt aufnimmt, meldet sich der Körper erneut.

Ein wichtiges Warnsignal ist deshalb nicht die Menge dessen, was du tust, sondern die zunehmende Distanz zu dir selbst. Wenn du merkst, dass du dich in deinem eigenen Leben eher verwaltest als erlebst. Wenn Entscheidungen sich logisch richtig, aber innerlich leer anfühlen. Wenn dein Körper reagiert, obwohl objektiv nichts Dramatisches passiert. Dann geht es nicht um Belastbarkeit, sondern um innere Passung.

An dieser Stelle wird deutlich, warum pauschale Burnout-Modelle oft zu kurz greifen. Menschen sind unterschiedlich. Sie haben unterschiedliche energetische Qualitäten, unterschiedliche Arten, mit Druck, Verantwortung, Nähe oder Rückzug umzugehen. Genau hier liegt der Wert von Modellen wie Human Design. Nicht als starres Etikett oder Erklärung für alles, sondern als Landkarte. Eine Landkarte, die zeigt, wo natürliche Stärken liegen, wo Anpassung beginnt und wo jemand dauerhaft gegen die eigene innere Architektur lebt. Wer versteht, welche Qualität im eigenen System angelegt ist, erkennt oft sehr schnell, warum bestimmte Lebens- oder Arbeitsweisen langfristig erschöpfen, obwohl sie objektiv sinnvoll erscheinen.

Burnout ist in meinem Verständnis kein Versagen und kein Zeichen mangelnder Resilienz. Es ist ein intelligentes Signal, welches wir beachten dürfen.

Ein Hinweis darauf, dass das gelebte Leben nicht mehr mit der eigenen inneren Struktur übereinstimmt. Der Körper übernimmt dann die Aufgabe, auf etwas aufmerksam zu machen, das innerlich lange ignoriert wurde.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie viel Stress du hast. Sondern wie viel von dir selbst in deinem Alltag noch Platz findet. Wenn diese Antwort immer kleiner wird, beginnt der Boden zu bröckeln. Nicht laut, nicht plötzlich, sondern schleichend. Und genau deshalb ist frühes Hinschauen so wichtig. Nicht um schneller wieder zu funktionieren, sondern um wieder stimmig zu leben. Jetzt kostenfreies Erstgespräch vereinbaren und Klarheit bekommen.

 
 
 

Kommentare


bottom of page